Infos zu Tansania

Die Vereinigte Republik Tansania (Kiswahili: Jamhuri ya Muungano wa Tanzania) ist mit einer Gesamtfläche von 945.000 km² ungefähr 2,5 mal so groß wie Deutschland.Das ostafrikanische Land liegt unterhalb des Äquators am Indischen Ozean. Im Norden hat es gemeinsame Grenzen mit Kenia und Uganda, die teilweise durch den Victoriasee, dem größten See Afrikas, verlaufen. Im Nordwesten grenzt Tansania an Ruanda und Burundi. Die Grenze zum Kongo verläuft im Westen durch den Tanganjikasee, dem zweitgrößten und tiefsten See Afrikas. Im Südwesten grenzt Tansania an Sambia und Malawi, sowie im Süden an Mosambik.

Die Bevölkerung betrug im Jahre 2005 ca. 38 Millionen Einwohner, wobei davon ca. 40% Christen, ca. 30% Moslems sind und ca. 30% sonstigen Religionen angehören.

Das Land ist mit 40 Einwohnern pro km² erheblich dünner besiedelt als Deutschland (230 Einwohner pro km²). Mit 120 verschiedenen Volksgruppen zählt Tansania zu den besonders heterogenen Staaten Afrikas.

Amtssprachen sind Kiswahili und Englisch.
Das Wachstum der Ballungszentren ist atemberaubend: Von 1988 (vorletzte Volkszählung) bis 2002 (letzte Volkszählung) hat sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelt, Arusha ist sogar um den Faktor 2,8 gewachsen.

Im Vergleich zu Deutschland, mit seinem 230.000 km langen Straßennetz, verfügt Tansania über eine extrem schlechte Infrastruktur. Alle wichtigen Verkehrsstraßen zusammengenommen sind nur etwa 20.000 km lang und davon sind nur 4.000 km geteer

Die Vereinigte Republik wie sie heute besteht, existiert seit 1964. Nach 30 Jahren Einparteiensystem und Sozialismus begann sich das Land 1995 zu öffnen. Es fanden erstmals freie Wahlen statt und seitdem ist Tansania auf dem Weg zu einer liberalen Marktwirtschaft und einem Mehrparteiensystem.Tansania ist eines der stabilsten Länder auf dem Afrikanischen Kontinent. 

Unter anderem wegen dieser politischen Stabilität ist ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum möglich, das auch im Jahr 2008 trotz Finanzkrise 7,5% betrug. Dennoch ist Tansania eines der ärmsten Länder der Welt.

Obwohl in den (Kern-)Tropen gelegen, herrscht in Tansania aufgrund der Höhenlage (ca. 1.100m) ein gemäßigtes Klima. Ausnahmen bildet das feucht-heiße Küstentiefland um Dar es Salaam. Die Niederschläge sind während der Regenzeiten durch eine sehr hohe Variabilität gekennzeichnet, was die Bevölkerung, die zu über 80 % von der Landwirtschaft lebt, immer wieder vor existentielle Probleme stellt.

Tansania hat mehr als ein Viertel seiner Landfläche als Schutzgebiete ausgewiesen: In den Nationalparks erlebt man die weitgehend unberührte Urlandschaft der Menschheit, die eine große Anziehungskraft auf Besucher aus aller Welt ausübt.

(Quellen: CIA Factbook, Inwent, Auswärtiges Amt.-Stand: Mai 2008)

Weiterführende Links:

AIDS in Tansania und der Region Iringa

Seit der Entdeckung der ersten Aidsfälle stieg die HIV-Verbreitung von 1,3% im Jahre 1985 und 7,2% im Jahre 1990 auf ca. 8,8% im Jahre 2003- mit weiterhin steigender Tendenz. Andere Schätzungen geben an, dass sie Infektionsrate die 10%-Schwelle bereits erreicht hat oder sogar schon über der 15% Marke liegt.

Der 2001 veröffentlichte UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in Tansania erwartete bis zum Jahr 2010 eine von 56 auf 47 Jahren sinkende durchschnittliche allgemeine Lebenserwartung. Nach Zahlen von UNAIDS/WHO ist diese Marke mit 46,5 Jahren bereits 2004 erreicht worden.

In Tansania besonders betroffen sind die Regionen Kagera, Rukwa und Iringa. Hier findet sich die landesweit höchste Aids-Verbreitungsrate zwischen 10-20%.

Die Region Iringa wird von der großen internationalen Transitroute Dar es Salaam-Lusaka/Sambia durchquert-einer der Gründe für die hohe Infektionsrate, denn entlang solcher Adern des nationalen und internationalen Warenaustausches beschleunigt Prostitution erheblich die Ausbreitung des HIV-Erregers.

2008: Im District Kilolo - Mbigili gehört dazu – sind 50% aller getesteten Männer und Frauen HIV positiv.

Transit-Straße bei Iringa

Situation der von Aids betroffenen Familien und Kindern

Die Familie als Kern der tansanischen Gesellschaft ist durch die Aidsepidemie massiv bedroht. So verursacht ein Erkrankter in der Familie einen Einkommensverlust von 50%, vierfach gestiegende Gesundheitskosten und zusätzliche Pflegebelastung.

UNAIDS ging im Jahre 2003 von insgesamt etwas 980.000 Waisenkindern in Tansania aus, während die internationale Hilfsorganisation OXFAM für das Jahr 2005 bereits von 2,5 Millionen Waisen spricht.

In der tansanischen Gesellschaft gibt es Strategien, Waisen im direkten oder erweiterten Familienkreis aufzunehmen. Diese traditionellen Formen sind mehr oder weniger formal geordnet und ausgeprägt. Nicht selten müssen verwaiste Kinder von den Großeltern aufgenommen werden. Diese sind dann zwischen 50-70 Jahren alt und mit der Sorge für die Enkelkinder sowie der Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes überfordert.

Leider kommt es durch solche Arragements häufig zu Verletzungen der Rechte eines Kindes.

Beinahe nie wird das Kind in die Entscheidung miteinbezogen, wo und mit wem es in Zukunft leben soll. Nicht selten sind außerdem folgende Missstände zu beobachten:

  • Die Fürsorge von Verwandten oder Pflegeeltern ist oftmals schlechter als die für die leiblichen Kinder. Dies führt zu unzureichender Ernährung und Gesundheitsversorgung.

  • Pflegekinder sind in Erziehung und Schuldbildung den leiblichen Kindern nachgestellt

  • Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft

  • Jungen sind vor allem im urbanen Umfeld dem erhöhten Risiko ausgesetzt, eine Karriere als Straßenkind oder eine kriminelle Karriere zu beginnen
     

Mädchen werden in dieser Konstellation besonders benachteiligt:

  • Ihnen wird häufig die Schuldbildung vollständig vorenthalten, und sie müssen sich als „House Girl“ verdingen

  • Früher sexueller Missbrauch und Ausbeutung führt zu irreparablen Schäden.

  • Bereits für sehr junge Mädchen im Alter von 9 Jahren ist Prostitution eine Überlebensstrategie, um ihrer extremen Armut zu entkommen. Dies erhöht wiederum das Risiko einer HIV-Infektion (4-6 mal höheres Infektionsrisiko gegenüber Jungen).
     

Trotz der beschriebenen Risiken und Mängel hat die traditionelle Vorgehensweise das Potential, mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine Vielzahl von Waisenkindern erreichen zu können – wenn es gelingt, gesellschaftliche Kontrolle, materielle, organisatorische sowie pädagogische Unterstützung zu integrieren.

500 Betreuungsplätze für 40.000 Kinder

Legt man landesweite Schätzungen (2005) zu Grunde, so ergibt sich eine Zahl von ca. 40.000 Waisenkindern in der Region Iringa (1.5 Mio Einw.) von denen etwa 18.000 beide Elternteile verloren haben. Angesichts der momentanen Kapazitäten von ca. 500 Betreuungsplätzen wird der dringende Handlungsbedarf deutlich

Unterstützung traditioneller Strategien

Die flächendeckende Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen ist im benötigten Ausmaß nicht finazier- und durchführbar. Die Organisationen UNAIDS und UNICEF empfehlen und befürworten Ansätze, Alleinerziehende und Pflegefamilien wirtschaftlich und pädagogisch zu unterstützen.

Waisenbetreuung und das sogenannte „Home Based Care“ können sich sinnvoll ergänzen. Besonders hervorzuheben ist die damit verbundene Vernetzung zwischen einer lokalen Betreuungseinrichtung und der anliegenden dörflichen Gemeinschaft. Je mehr wechselseitige Beziehungen hier verankert werden, desto nachhaltiger lassen sich beide Zweige von Waisenbetreuung betreiben.

Mehr zu diesem Konzept und seiner Umsetzung in unserem Kinderdorf können Sie unter „Ziele-Leitideen-Konzepte“ lesen.