Was geschah im März 2010
Ende Februar verließ Christa Hettrich nach einem dreimonatigen Aufenthalt das Kinderdorf. Direkt im Anschluß kamen vier Ärzte der deutschen Organisation VIVO International, die in verschiedenen afrikanischen Ländern Kinder psychologisch untersuchen und betreuen. Prof. Dr. Thomas Elbert, Dr. Maggie Schauer, Dr. Elisabeth Schauer sowie Dr. Martina Ruf von der Universität Konstanz, Abteilung klinische Psychologie und Neuropsychologie, besuchten das Kinderdorf, um in den folgenden Wochen die Kinder zu untersuchen. Es kamen zahlreiche schwerwiegende Probleme der Kinder ans Tageslicht, alleine 11 von ihnen leiden unter posttraumatischen Störungen. Ebenso schwierig ist die Bindungslosigkeit der kleineren Kinder, da die Mamas im Alltag nicht genug Zeit haben, diesen vorbelasteten Kindern genug ihrer Zeit und Aufmerksamkeit zu geben.
Dass bei über 40 Kindern, 10 davon unter fünf Jahre alt, so was nicht folgenlos bleibt, kann sich jeder vorstellen. Die Ärzte begannen daher neben den Therapien der Kinder damit, eine neue personelle Struktur vorzuschlagen, die es den Mamas ermöglicht, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen: Das Kochen wird ab sofort ausschließlich von externen Hilfskräften besorgt, die Rotation der Mamas wird eingestellt, das Hilfspersonal aufgestockt. Außerdem begannen sie im Kinderdorf ein neues Belohnungs- und Bestrafungssystem zu etablieren, da wir auf körperliche Bestrafungen komplett verzichten wollen. Jeden Abend besuchten die Hausmamas verschiedene Workshops, die sie sehr gut angenommen haben. Sie wissen, dass sie trotz ihrer großen Erfahrungen keine ausgebildeten Fachkräfte sind. Darum haben sie die Möglichkeit, ihren Erfahrungsschatz mit neuem Wissen zu ergänzen, gern angenommen.
Themen wie HIV/AIDS, Pubertät, Verstärkung der emotionalen Bindung zwischen Hausmamas und Kindern etc. wurden besprochen und werden in den kommenden Monaten durch unsere Weltwärts-Freiwillige Wiebke Schaper, eine ausgebildete Pädagogin, vertieft. Spontan beschloß Dr. Elisabeth Schauer am Ende der vierwöchigen Arbeitszeit, ihren Aufenthalt um einige Wochen zu verlängern, um den Übergang sanft mitlenken zu können und einige Therapien mit besonders gefährdeten Kindern weiterzuführen.
Nach diesem Besuch wird sich das Leben für Kinder wie Angestellte positiv verändern, dafür unser Dank – auch an die fünf Psychologiestudenten der Universität in Iringa, die als Übersetzer einen tollen Job gemacht haben, und an Sie, die Sie unser Kinderdorf so großzügig unterstützen, damit wir zum Wohle dieser Kinder hier unsere Arbeit machen können.
Endlich konnte ein neuer Wagen angeschafft werden, ein gebrauchter Toyota Hilux Pick-Up, der uns zukünftig die Arbeit erleichtern wird.
Die Regenzeit war gut, die Felder stehen in voller Blüte- vom Mais über Rosella ( Hibiskusart, wird Tee) bis zu den Passionsfrüchten. Leider sind unsere Meerschweinchen durch Parasiten, die in der Regenzeit auftreten, etwas dezimiert worden, und eine Kuh ist krank. Die anderen geben aber immerhin noch Milch. Einen Teil davon können wir an eine große Molkerei verkaufen.
Zum 15. März haben Jan Ellers, Wiebke Schaper und ich ein kleines Haus in Iringa gemietet, um an unseren freien Tagen einen Ort zu haben, an dem wir Mama Ursula nicht stören, die Anfang April nach Afrika zurückkommt. Dafür, dass sie uns bisher in ihrem Privathaus Zimmer zur Verfügung gestellt hat, unseren herzlichen Dank!
Zum Schluss noch eine traurige Mitteilung: Lilian, unser „Mondscheinkind“ ist an den Folgen ihrer schweren Erkrankung am 12.März 2010 im Kreis ihrer Familie in ihrem Heimatdorf verstorben. Upendo, ihre Schwester, hat sich inzwischen in der Kinderdorffamilie gut eingelebt.
Im Namen des AOHM, Ingo Lenz